Nüünichlingler

In de mäischte Gmäinen im Baaselbiet goot s am häiligen Oobe friidlig zue und häär. Der Wienechtsbaum brennt – ämmel d Cheerzli, und die Chlyyne vergitzle fascht, bis si chönne d Gschänk uuspacke.
Und doch git s an däm Oobe, ämmel no in e baar Gmäinen im Baaselbiet, öppis Bsundrigs: D Nüünichlingler.
D Nüünichlingler syy im mittleren und im oobere Baaselbiet die wilde Voorfaare vom Santichlaus.
1827 hed äin im «Schweizer Bote» gege dä Bruuch gwättered: «Die höchst gottvergessene Gewohnhäit, dass in vielen Gemeinden der Landschaft junge Burschen am häiligen Abend ‹schendlig› maskiert, mit Trinkeln auf den Gassen und in den Höisern als so genannte Neuneklingler umherschwärmen und einen unverantwortligen Lerm verursachen, um die kleinen Kinder in Furcht zu jagen. Das Untier wärfe, um diese hinter dem Ofen hervorzulocken, Nüsse in die Stube, dringe dann herein und drohe sie hinauszuschleppen, zum groossen Schaden der unschuldigen Kleinen.»
So um 1900 umme syy d Pfäärer denn froo gsii, ass das «Zerrbild» vom Santichlaus, «in schwarzer Gestalt, als Teufel», fascht uusgrotted gsii isch und ass das Läärmen am häiligen Oobe fascht uufghöört hed.
Aber non esoo um 1930 umme syy zum Byspiil z Arboldswyyl und z Löifelfinge Nüünichlingler, mit Chuegloggen und Chettene, dur s Doorff zooge, sii de junge Bueben und Mäitli noochgrennt und häi sen in Brunne dungged. Sii syy au in Hüüser yynen und häi Nüss und düri Schnitz uf e Boode gheit. Im Waldeburgerdaal isch s Nüünichlinglen eenter e Läärmbruuch gsii. Nachtbuebe mit ruessige Gsichter und mit groosse Schälle syy dur s Doorff zoogen und häi Schindluederei driibe.
Der Santichchlaus häi die mäischte vor em Eerschte Wältchrieg numme vom Ghööresääge gchennt. Er hed denn mit der Zytt, as «pedagogische Mahner», der Nüünichlingler as Chinderschreck verdrängt.
An e baar Oort, zum Byspiil z Ammel und z Rünebärg, daucht der Santichlaus zeerscht in der Schuel oder im Chindergaarten uuf. E Zytt lang isch doo und döört am 6. Dezämber e Santichlaus und am 24. e Nüünichlingler ummegange. Me hed denn au gmäint, der Nüünichlingler syg e ganz e bööse Santichlaus. Zu sällere Zytt isch der Läärmbruuch vom Nüünichlinglen immer mee verschwunde. Mit e baar Uusnaame: Nääben e baar andere Gmäine zieje z Sissech und z Ziifen immer no Nüünichlingler umme. Z Ziife laufe Mannen am Nüüni in glyychmeessigem Schritt und mit hööche Zylinder dur d Gasse.
Z Sissech goot s schone chlyy struuber zue und häär. In lange, schwaarze Chutte, lange Bäärt, mit Chettene und Chueglogge marschiert, wie albe, e Tschuppele Nüünichlingler dur s Doorff. Wenn sii denn voreme Huus blyybe stoo, rüefe si en alte Spruch: «Der Nüünichlingler macht der Rundgang dur s Doorff. Syy die bööse Bueben und Mäitli no uuf? Miir nääme se mit, miir chette sen aa. Alli, wo nit gfolged häi ghaa.»

vergitzle
– fast vergehen vor Freude
Tschuppele – Gruppe

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